CO₂-Preis und Heizen: Was ab 2028 auf Hausbesitzer zukommt

Ab 2028 verändert sich die Art, wie in Europa die Kosten für CO₂-Emissionen ermittelt werden, grundlegend. Für die Bereiche Gebäude und Verkehr gilt dann nicht mehr der in Deutschland bekannte, staatlich festgelegte CO₂-Preis, sondern ein europaweites Handelssystem – das sogenannte ETS II. Die Preise werden nicht mehr fix vorgegeben, sondern entstehen am Markt durch Angebot und Nachfrage. Für Millionen Hausbesitzer, die mit Gas oder Heizöl heizen, bedeutet das: Die Heizkosten könnten deutlich steigen und zwar stärker, als es bisher der Fall war.

Warum gibt es einen CO₂-Preis beim Heizen?

Die CO₂-Bepreisung ist ein zentrales Instrument des Klimaschutzes. Ihr Ziel: Wer fossile Brennstoffe nutzt, soll für die dabei entstehenden Emissionen zahlen. So entsteht ein finanzieller Anreiz, weniger Energie zu verbrauchen oder auf klimafreundlichere Technologien umzusteigen. In Deutschland gilt dieses Prinzip bereits seit 2021, bisher allerdings mit festgelegten Preisen, die Jahr für Jahr moderat ansteigen.

CO₂-Preis 2026: Was aktuell gilt

Momentan ist der CO₂-Preis in Deutschland genau planbar:

  • 2024 liegt er bei 45 €/t CO
  • 2025 steigt er auf 55 €/t
  • 2026 bewegt er sich in einem Korridor zwischen 55 und 65 €/t

Für Verbraucher bedeutet das: Die Mehrkosten lassen sich berechnen, extreme Preissprünge sind ausgeschlossen – noch.

ETS II Ab 2028: Wenn der Markt den CO₂-Preis bestimmt

Mit der Einführung des ETS II endet die staatliche Preisbindung. Die EU legt zwar weiterhin eine Obergrenze für die Menge an verfügbaren CO₂-Zertifikaten fest, diese Menge sinkt aber jedes Jahr um rund fünf Prozent. Unternehmen, die fossile Brennstoffe in den Verkehr bringen, etwa Energieversorger, müssen diese Zertifikate kaufen. Sind weniger Zertifikate im Umlauf, steigt der Preis, besonders dann, wenn die Nachfrage hoch bleibt.

Eine entscheidende Neuerung: Es gibt keine feste Preisobergrenze mehr. Das bedeutet, dass sich der Preis theoretisch stark nach oben bewegen kann und diese Entwicklung würde direkt auf die Heizkosten der Verbraucher durchschlagen.

Wie stark können Heizkosten durch den CO₂-Preis steigen?

Prognosen gehen derzeit weit auseinander. Einige Experten erwarten moderate Steigerungen auf 70–100 €/t bis 2030. Andere rechnen mit deutlichen Anstiegen auf 150–200 €/t, und in Extremsituationen, etwa bei hoher Knappheit, sind sogar kurzfristige Preisspitzen von 300 €/t denkbar.

Die Konsequenzen für private Haushalte lassen sich in Euro beziffern:

Heizsystem & Verbrauch100 €/t CO200 €/t CO300 €/t CO
Gas, 20.000 kWhca. 476 €ca. 952 €ca. 1.428 €
Öl, 3.000 lca. 810 €ca. 1.620 €ca. 2.430 €

Diese Zahlen beinhalten bereits die Mehrwertsteuer und zeigen: Selbst im moderaten Szenario steigen die Heizkosten deutlich.

Wer besonders betroffen ist

Die CO₂-Bepreisung hat eine regressive Wirkung. Das heißt: Haushalte mit geringerem Einkommen sind im Verhältnis zu ihrem Budget stärker belastet, weil Energiekosten einen größeren Anteil ihrer Ausgaben ausmachen.

Besonders betroffen sind:

  • Haushalte in älteren, unsanierten Gebäuden
  • Regionen mit langen Heizperioden und hohem Energiebedarf
  • Familien mit mehreren Kindern und höherem Wohnflächenverbrauch

Was Hausbesitzer jetzt tun können

Wer die drohenden Mehrkosten abfedern möchte, hat mehrere Stellschrauben:

  • Energieeffizienz steigern: Wärmedämmung, Fenstertausch oder ein hydraulischer Abgleich können den Verbrauch deutlich senken.
  • Heizsystem umstellen: Wärmepumpen, Biomasseanlagen oder Fernwärme aus erneuerbaren Quellen sind von der CO-Abgabe befreit.
  • Hybridlösungen nutzen: Die Kombination einer fossilen Heizung mit Solarthermie oder einer kleinen Wärmepumpe senkt den fossilen Anteil.
  • Förderprogramme ausschöpfen: Staatliche Zuschüsse können bis zu 70 % der Investitionskosten abdecken.

Fazit: erneuerbare Heiztechnologien frühzeitig einplanen

Mit dem ETS II endet 2028 die Ära planbarer CO₂-Preise. Die Marktmechanismen werden den Preis für fossile Energie vermutlich nach oben treiben und damit auch die Heizkosten. Selbst moderate Szenarien bedeuten für viele Haushalte spürbare Mehrbelastungen, in Extremfällen sind jährliche Zusatzkosten von weit über 2.000 Euro möglich.

Wer rechtzeitig in Effizienzmaßnahmen und erneuerbare Heiztechnologien investiert, kann sich nicht nur unabhängiger von fossilen Preisschwankungen machen, sondern langfristig auch finanziell entlasten.

Älteres Paar überprüft Finanzen zu Hause auf der Couch.