Steigende Energiepreise und der Wunsch nach Klimaschutz machen Energiesparen im Haushalt unverzichtbar. Doch Vorsicht: Nicht jeder Tipp, der durchs Internet geistert, spart tatsächlich Energie. Manche Mythen sind sogar gefährlich oder kosten am Ende mehr Geld. Wir zeigen die größten Irrtümer – und was wirklich funktioniert.
Die größten Energiespar-Mythen im Check
Mythos 1: Heizung durchlaufen lassen vs. Absenkung – was spart wirklich Energie?
Teil A: Für Gasheizungen
Viele Haushalte mit Gasheizungen glauben, dass das ständige Absenken und Wiederaufheizen mehr Energie verbraucht als eine gleichbleibende Temperatur.
Das stimmt nur teilweise!
Die Verbraucherzentrale empfiehlt: Bei längerer Abwesenheit oder nachts die Heizung herunterdrehen – aber nicht unter 16 °C, um Schimmelbildung zu vermeiden. Faustregel: Ab vier Stunden Abwesenheit lohnt sich die Absenkung, während kurze Absenkungen (z. B. 30 Minuten) kaum Effekt haben.
Achtung: Kühlt das Haus zu stark aus, benötigt die Heizung mehr Energie, um die Raumtemperatur wieder zu erreichen. Die Ersparnis der Nacht kann so schnell zunichtegemacht werden.
Teil B: Für Wärmepumpen
Bei Wärmepumpen gilt: Konstante Temperaturen sind effizienter!
Wärmepumpen arbeiten am besten, wenn sie gleichmäßig und mit niedrigen Vorlauftemperaturen laufen. Eine starke Nachtabsenkung führt dazu, dass die Wärmepumpe morgens mit hoher Leistung nachheizen muss – und verbraucht dabei mehr Strom, als über Nacht gespart wurde. Das Umweltbundesamt warnt sogar vor Schimmelgefahr, wenn Räume zu stark auskühlen.
Faustregel für Wärmepumpen:
- Heizkörper: Eine moderate Absenkung um 1–2 °C kann funktionieren, wenn die Wärmepumpe nicht morgens „vollgas“ nachheizen muss.
- Fußbodenheizung: Keine Absenkung – der Estrich speichert Wärme, und das Aufheizen dauert zu lange.
- Gut gedämmte Häuser: Hier bringt eine Absenkung kaum Einsparungen, aber Risiken durch Taktung.
Fazit: Ob eine Absenkung sinnvoll ist, hängt von Ihrem Heizsystem ab. Bei Gasheizungen kann sie unter bestimmten Bedingungen sparen, bei Wärmepumpen ist sie oft kontraproduktiv. Wichtig ist, die Einstellungen individuell auf Ihr Gebäude und Ihre Heiztechnik abzustimmen
Mythos 2: Licht lieber brennen lassen
„Das ständige Ein- und Ausschalten kostet mehr Strom als durchgehend Licht.“ Klingt logisch, stimmt aber nicht.
Realität: Moderne Leuchtmittel wie LEDs verbrauchen beim Einschalten kaum zusätzliche Energie. Wer den Raum länger als drei Minuten verlässt, sollte das Licht ausschalten.
Mythos 3: Kombi-Geräte sind effizienter
Waschtrockner sollen Strom und Wasser sparen, weil sie zwei Geräte ersetzen. Leider falsch.
Die Verbraucherzentrale warnt: Kombigeräte sind zwar angenehm in der Nutzung, verbrauchen aber oft mehr Energie als separate Waschmaschine und Trockner.
Ausnahme: Falls Sie über einen dynamischen Stromtarif verfügen, der nachmittags (z.B. weil viel erneuerbare Energie im Stromnetz zur Verfügung steht) oder nachts, extrem günstige Strompreise anbietet und Sie Ihr Kombigerät genau zu diesen Zeiten starten, können Sie natürlich deutlich Kosten sparen.
Fazit: Waschtrockner bieten zwar Komfort verbrauchen aber mehr Energie. Falls Sie diese Energie zu günstigen Preisen erhalten, dann können sich diese Geräte durchaus rechnen.
Mythos 4: Kühlschrank möglichst voll machen
Ein voller Kühlschrank spart Energie? Nicht unbedingt.
Entscheidend sind Größe, Alter und Effizienzklasse des Geräts. Alte Kühlschränke verlieren durch gealterte Dämmung und undichte Türen viel Energie.
Tipp: Bei Neukauf auf Effizienzklasse C oder besser achten.
Grundprinzip:
- Ein Kühlschrank kühlt den Innenraum auf eine bestimmte Temperatur (z. B. 4 °C). Jedes Mal, wenn die Tür geöffnet wird, strömt warme Luft hinein, die dann wieder heruntergekühlt werden muss.
- Füllung spielt eine Rolle, weil sie beeinflusst, wie viel Luft ausgetauscht wird und wie stabil die Temperatur bleibt.
Vergleich – bei gleichem Kühlschrankmodell:
- Voller Kühlschrank:
- Vorteil: Weniger Luftvolumen → weniger warme Luft dringt beim Öffnen ein → Temperatur bleibt stabiler.
- Nachteil: Wenn die Lebensmittel warm hineingestellt werden, dauert das Abkühlen länger und verbraucht mehr Energie.
- Leerer Kühlschrank:
- Nachteil: Viel Luftvolumen → beim Öffnen kommt mehr warme Luft hinein → Kompressor muss öfter arbeiten.
- Vorteil: Weniger Masse zum Kühlen, wenn er einmal geschlossen ist.
Fazit:
Ein mäßig gefüllter Kühlschrank (nicht komplett leer, aber auch nicht überfüllt) ist am effizientesten. Ideal ist es, ihn mit kalten oder zumindest nicht heißen Lebensmitteln zu füllen. Wenn er komplett leer ist, verbraucht er tendenziell mehr Energie, weil die Luft schneller erwärmt wird und häufiger gekühlt werden muss.
Tipp: Wenn der Kühlschrank leer ist (z. B. vor einem Urlaub), kann man ihn ausschalten oder mit Wasserflaschen füllen, um die Temperatur stabil zu halten.
Mythos 5: Teelichtofen als Heizungsersatz
DIY-Heizungen mit Teelichtern sind beliebt – aber ineffizient und gefährlich.
Fünf Teelichter liefern nur ca. 200 Watt Wärme. Für ein 15 m²-Zimmer bräuchte man 30 Teelichter! Das ist teuer, umweltschädlich (Paraffin) und brandgefährlich. Zusätzlich können die Dämpfe von Teelichtern (und allgemein Kerzen) krebserregend sein.
Fazit: Bitte keine Teelichtöfen!
Mythos 6: Heizlüfter statt Gasheizung
Heizlüfter waren in der Energiekrise ein Verkaufsschlager. Doch sie treiben die Stromrechnung hoch.
Grund: 1 kWh Strom = 1 kWh Wärme. Wärmepumpen sind deutlich effizienter (1 kWh Strom = 3–5 kWh Wärme).
Zusätzlich bergen Heizlüfter auch immer eine Brandgefahr – trotz Überhitzungsschutz.
Fazit: Alternativ könnten auch Infrarotheizungen einen Blick wert sein.
Mythos 7: Nur einen Raum heizen ist immer besser
Komplett unbeheizte Räume können Schimmel verursachen.
Optimal: Wohnräume ca. 20 °C, Schlafzimmer 17–18 °C, Bad immer beheizen. Richtiges Lüften (Stoßlüften statt Dauerlüften) spart zusätzlich Energie.
Smarte Thermostate bieten zusätzlich die Möglichkeit, einzelne Räume gezielt mit Wärme zu versorgen.
Fazit: Was auf den ersten Blick nach Kostenreduktion aussieht, kann sich später als Kostentreiber herausstellen. Das Aufheizen eines komplett ausgekühlten Raums kosten mehr Energie, als dass man einspart. Zusätzlich sind die Kosten einer Schimmelentfernung nochmals deutlich höher.
Die besten Tipps für echtes Energiesparen
LEDs statt Glühlampen oder älterer „Energiesparlampen“
Bis zu 90 % weniger Stromverbrauch, 20 Jahre Lebensdauer, spart bis zu 200 € jährlich.
Laptop statt PC
Laptops verbrauchen bis zu 80 % weniger Strom als Desktop-PCs.
Standby vermeiden
Schalter-Steckdosen nutzen, Geräte komplett ausschalten. Spart bis zu 115 € pro Jahr.
Wasserkocher richtig nutzen
Nur die benötigte Menge erhitzen – effizienter als Herd.
Ökostrom wechseln
Spart kein Geld, aber bis zu 935 kg CO₂ pro Jahr.
Warmwasseranschluss für Waschmaschine/Spülmaschine
Mit PV oder Solarthermie bis zu 25 % Stromkosten sparen.
Sparduschkopf installieren
Reduziert Warmwasserverbrauch um bis zu 30 % - spart gleichzeitig Strom und Wasser.
Energieverbrauch kontrollieren
Mit einem Energiesparkonto und Strommessgeräten (wie z.B. W-LAN Steckdosen, die oft auch Zeitschaltuhren beinhalten) behält man den Überblick.
Fazit: Mythen kosten Geld – Fakten sparen Energie
Energiesparen lohnt sich, aber nicht jeder Tipp ist sinnvoll und bei manchen Tipps kommt es auch stark auf die Details an. Was früher vielleicht richtig war, ist heute mit anderer Technik überholt. Verlassen Sie sich auf geprüfte Empfehlungen von Verbraucherzentralen und Umweltbehörden. So senken Sie Kosten, schützt das Klima und vermeiden gefährliche Experimente.
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