Die Heizkurve ist das „Gaspedal“ Ihrer Heizung, egal mit welcher Energieform Sie heizen. Wer sie falsch einstellt, verbrennt jeden Tag unnötig Energie und zahlt drauf. Mit einer optimierten Heizkurve sparen Sie bis zu 25 % Heizkosten, verbessern den Komfort und verlängern die Lebensdauer Ihrer Anlage. Besonders bei Wärmepumpen und Gasheizungen lohnt sich die Feinjustierung.
Was ist die Heizkurve und warum ist sie so wichtig?
Die Heizkurve beschreibt den Zusammenhang zwischen Außentemperatur und Vorlauftemperatur. Sinkt die Außentemperatur, erhöht die Regelung automatisch die Vorlauftemperatur, ohne dass Sie am Thermostat drehen müssen. Sie ist also eine Art „automatische Voreinstellung“.
- Zu steil eingestellt: Räume überhitzen, Vorlauftemperatur unnötig hoch → mehr Energieverbrauch.
- Zu flach eingestellt: Räume bleiben bei Frost kalt → Komfortverlust, Zuheizer springt an.
Merke: Die Heizkurve entscheidet direkt über Gas-, Öl- oder Stromverbrauch.
Heizkurve einstellen: Steilheit und Niveau richtig wählen
- Steilheit (Neigung): Wie stark reagiert die Heizung auf Außentemperaturänderungen?
Beispiel: Neigung 1,0 → bei 1 K Außentemperaturabfall steigt Vorlauf um 1 K. - Niveau (Parallelverschiebung): Hebt oder senkt die gesamte Kurve gleichmäßig. Ideal für Feinschliff in der Übergangszeit.
Orientierungswerte für die Neigung nach Gebäudetyp:
- Gut gedämmt + Wärmepumpe: 0,12–0,16
- Fußbodenheizung: 0,3–0,5
- Gut gedämmte Heizkörper: 1,0–1,2
- Altbau Heizkörper: 1,4–1,6
Warum die Heizkurve bei Wärmepumpen entscheidend ist
Bei Wärmepumpen schlägt jedes unnötige Grad Vorlauftemperatur direkt auf den Stromverbrauch:
- +1 K Vorlauf = 3–5 % mehr Stromkosten
- Zu steile Kurve → Jahresarbeitszahl (JAZ) sinkt um bis zu 25 %, Stromkosten steigen um mehrere hundert Euro pro Jahr.
- Optimierte Kurve → niedrigere Vorlauftemperatur, bessere Effizienz, bis zu 20 % Stromersparnis.
Heizkurve bei der Gasheizung richtig einstellen
Auch bei Gas lohnt sich die Optimierung:
- Niedrigere Vorlauftemperaturen verbessern den Brennwert-Effekt → mehr Kondensation, höherer Wirkungsgrad.
- Weniger Taktungen → geringere Verluste, längere Lebensdauer.
- Einsparpotenzial: 5–15 % weniger Gasverbrauch, bis zu 12 % Kostenersparnis pro Saison.
Goldene Regel: Die Einstellung der Heizkurve lohnt sich bei jeder Heizform, denn sie hilft immer Energie zu sparen!
Schritt-für-Schritt: Heizkurve einstellen
- Daten sammeln: Heizlastberechnung oder Heizflächendaten nutzen.
- Startwert einstellen: Formel oder Richtwerte verwenden.
- Test bei Frost: Außentemperatur unter 0 °C, Thermostate im Haus voll aufdrehen, 48 h protokollieren.
- Anpassen:
- Räume zu kalt → Neigung +0,1 erhöhen.
- Übergangszeit zu warm → Niveau senken.
- Änderungen immer in kleinen Schritten (0,1 Neigung, 1–2 K Niveau).
- Dann wieder 48h messen. Die richtige Einstellung zu finden kann etwas Zeit in Anspruch nehmen, lohnt sich aber.
- Hydraulik prüfen: Ohne hydraulischen Abgleich sind alle Werte verfälscht.
Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden
- Zu steile Kurve: Überhitzung, hoher Verbrauch → Neigung schrittweise senken.
- Zu flache Kurve: Räume bleiben kalt → Neigung erhöhen.
- Falscher Testzeitpunkt: Bei mildem Wetter einstellen führt zu falschen Werten.
- Große Sprünge: Änderungen >0,2 ohne Beobachtung = Chaos.
- Sensorfehler ignoriert: Außentemperaturfühler prüfen.
Tipp: Nach Sanierungen oder Heizungstausch Heizkurve neu einstellen. Werkseinstellungen sind fast immer zu hoch.
Praxisbeispiele
- Altbau mit Gasheizung:
Ausgang: Steilheit 1,6, Niveau +5 K → hohe Heizkosten.
Optimierung: Steilheit auf 1,3, Niveau auf +1 K → 10 % Gasersparnis, gleichmäßige Wärme. - Neubau mit Wärmepumpe:
Ausgang: Steilheit 0,6, Niveau 0 K → Räume zu warm, Stromkosten hoch.
Optimierung: Steilheit auf 0,4, Niveau −1 K → JAZ +15 %, Stromkosten −20 %.
Ihr Vorteil: Weniger Kosten, mehr Komfort
- Bis zu 25 % Heizkosten sparen
- Höherer Wirkungsgrad bei allen Heizformen, weniger CO₂
- Längere Lebensdauer der Anlage
- Gleichmäßige Wärme ohne Überhitzung
Praxisbeispiel: Altbau mit Wärmepumpe – Herausforderung und Lösung
Da viele unserer Kunden eine Wärmepumpe in Bestandsgebäude einbauen lassen, haben wir von Team Hörmann uns diese Ausgangssituation einmal genauer angeschaut.
Ausgangslage:
Ein typischer Altbau aus den 1960er-Jahren, teilgedämmt, mit klassischen Heizkörpern. Nach einer Sanierung wurde eine Luft/Wasser-Wärmepumpe eingebaut. Die Werkseinstellung der Heizkurve:
- Steilheit: 1,4
- Niveau: +3 K
Ergebnis: Die Räume sind zwar warm, aber der Stromverbrauch explodiert. Bei Frost springt zusätzlich der elektrische Zuheizer an – ein echter Effizienz-Killer.
Warum ist das so?
- Heizkörper haben eine kleinere Wärmeabgabefläche als Fußbodenheizungen → höhere Vorlauftemperaturen nötig. (Welche Heizkörper eignen sich für Wärmepumpe? Lesen Sie unseren Fachartikel.)
- Altbau mit mäßiger Dämmung → Wärmeverluste bei Frost sind hoch.
- Werkseinstellungen sind oft zu steil, um auf "Nummer sicher“ zu gehen. Das kostet Effizienz und stammt noch aus Zeiten, als Gas günstig war.
Typische Richtwerte für solche Gebäude:
- Gut gedämmter Altbau mit Heizkörpern: Neigung 1,0–1,2
- Älterer, unsanierter Altbau: 1,4–1,6
- Gut gedämmter Altbau mit Fußbodenheizung: ca. 0,3–0,5
- Schlecht gedämmter Altbau (unsaniert) mit Fußbodenheizung: kann etwas höher liegen, etwa 0,5–0,7, um bei Frost ausreichend Wärme zu liefern.
- Wärmepumpe allgemein: Ziel ist eine möglichst flache Kurve (0,2–0,4 bei Fußbodenheizung), aber bei Heizkörpern muss man einen Kompromiss finden.
Warum so flach?
Fußbodenheizungen arbeiten effizient im Niedertemperaturbereich (25–40 °C Vorlauf), was ideal für Wärmepumpen ist. Eine zu steile Kurve würde unnötig hohe Vorlauftemperaturen erzeugen und die Effizienz verschlechtern.
Optimierungsschritte:
- Steilheit reduzieren: Von 1,4 auf 1,1 → flachere Kurve senkt Vorlauftemperatur und verbessert COP.
- Niveau senken: Von +3 K auf 0 K → vermeidet Überhitzung in der Übergangszeit.
- Test bei Frost: Außentemperatur −5 °C, Thermostate voll auf, Vorlauf und Raumtemperatur protokollieren (48 h).
- Hydraulischer Abgleich: Pflicht, um ungleichmäßige Wärmeverteilung zu vermeiden.
- Zu empfehlen sind auch Thermometer in den einzelnen Räumen, um die Temperaturunterschiede genau zu protokollieren.
Ergebnis:
- Vorlauftemperatur sinkt von ca. 55 °C auf 48 °C.
(je geringer die Vorlauftemperatur, desto größer der Spareffekt) - Jahresarbeitszahl (JAZ) steigt um 10–15 %.
- Zuheizer springt kaum noch an.
- Stromkostenersparnis: 15–20 % pro Jahr, Komfort bleibt stabil.
Fazit für Altbau-Wärmepumpen
- Je flacher die Kurve, desto effizienter. Aber nicht zu flach, sonst droht Komfortverlust.
- Kleine Schritte (±0,1 Steilheit, ±1–2 K Niveau) und Frosttests sind entscheidend.
- Bei Heizkörpern ist eine moderate Kurve (0,9–1,2) oft der beste Kompromiss zwischen Effizienz und Wärmeversorgung.
- Profi-Tipp: Hydraulischer Abgleich und ggf. größere Heizkörper (Typ 33 statt Typ 22) können die Vorlauftemperatur weiter senken.
Wichtig ist ihr persönliches Empfinden
Je nach Wohn- und Familiensituation kann sich natürlich das Komfortempfinden ändern. Kinder und ältere Mitmenschen benötigen vielleicht etwas mehr Zimmertemperatur. All dies hat Einfluss auf die Einstellungen. Dennoch empfehlen sich Thermometer, um die Einstellungen nicht von der Tagesverfassung abhängig zu machen. Die Zeit der Feinjustierung sollte irgendwann vorbei sein. Ein jahreslanges Feintuning ist nicht zielführend und führt letztendlich zu einer nie optimal eingestellten Heizung.
Jetzt Heizkurve prüfen und sparen!
Team Hörmann installiert nicht nur Ihre neue Heizung, sondern stellt auch ihre Heizkurve bei der Übergabe entsprechend ein. Wir gehen aber noch einen Schritt weiter. Nach zirka einem Jahr, wenn alle Jahreszeiten einmal durchgelaufen sind, beraten wir sie gerne, welche Optimierungen vorgenommen werden können, damit Sie vielleicht nochmal etwas mehr Heizkosten sparen.
Aus Erfahrung wissen wir, dass viele Heizungen aus Sorge vor zu niedrigen Raumtemperaturen eher zu großzügig eingestellt sind. Hier besteht echtes Optimierungspotenzial, ohne an Komfort einzubüßen.



