Wärmepumpen im Bestand: Warum 90 % der Häuser geeignet sind

Die Wärmepumpe gilt als das Heizsystem der Zukunft. Dennoch halten sich hartnäckige Mythen: „Nur für Neubauten geeignet“, „Fußbodenheizung zwingend erforderlich“, „Altbau? Unmöglich!“.
Aktuelle Studien zeigen: Diese Annahmen sind falsch. Bis zu 90 % der Bestandsgebäude in Deutschland können mit Wärmepumpen beheizt werden – oft ohne große Umbauten.

Studienlage: 90% des Immobilienbestands sind Wärmepumpen-tauglich

Die Auswertung des Energiedienstleisters Techem an 130.000 Gebäuden belegt:

  • 50% der Gebäude sind sofort „Wärmepumpen-ready“ – keine neue Dämmung, kein Heizkörpertausch nötig.
  • Weitere 40% werden durch Austausch einzelner Heizkörper geeignet (z.B. von alten Radiatoren auf moderne Plattenheizkörper).
  • Fußbodenheizung? Meist überflüssig – bei 90% der Mehrfamilienhäuser reichen vorhandene Heizflächen aus.

Fazit: Die oft diskutierte Pflicht zur Komplettsanierung ist ein Mythos. In der Praxis genügen moderate Anpassungen.

Fraunhofer ISE: Effizienz Dank Wärmepumpe auch ohne Vollsanierung

Das Projekt „WP-QS im Bestand“ des Fraunhofer ISE untersuchte 77 reale Wärmepumpenanlagen in Ein- bis Dreifamilienhäusern über vier Jahre:

  • JAZ-Werte (Effizienz):

    • Luft/Wasser-Wärmepumpen: Ø 3,4 (Spanne 2,6–4,9)
    • Erdreich-Wärmepumpen: Ø 4,3 (Spanne 3,6–5,4)
  • Keine Korrelation zwischen Baualter und Effizienz

    Auch unsanierte Altbauten erreichen hohe Werte.

  • CO₂-Reduktion

    Bis zu 64% weniger Emissionen gegenüber Gasheizungen (Strommix 2024).

  • Optimierungspotenziale für besseres Heizen

    Hydraulischer Abgleich, korrekte Parametrierung und Monitoring steigern die Effizienz um bis zu 25%.

Mehrfamilienhäuser: Großes Potenzial für die Wärmewende dank Wärmepumpe

Laut Techem Atlas 2025 sind 90 % der deutschen Mehrfamilienhäuser für Wärmepumpe geeignet – entscheidend ist die Heizkörper-Leistungsreserve.

  • 40% Reserve genügt für effizienten Betrieb bei max. 55°C Vorlauftemperatur. Früher wurden Heizungen so geplant, dass sie auch bei eisigen Temperaturen zuverlässig Wärme liefern. Deshalb sind viele Heizkörper größer ausgelegt, als sie im Alltag tatsächlich brauchen. Diese „Reserve“ ist heute ein Vorteil: Wenn ein Heizkörper etwas mehr Leistung hat, kann er auch mit niedrigeren Temperaturen arbeiten – genau das, was eine Wärmepumpe braucht.

In Zahlen heißt das: Wenn Ihre Heizkörper nicht „auf Kante genäht“ sind, sondern etwas Spielraum haben, reicht das völlig aus. Und das ist in sehr vielen Häusern der Fall. Deshalb sind laut Studien rund 90 % der Gebäude für Wärmepumpen geeignet – oft ohne große Umbauten. Und falls doch ein Heizkörper zu klein ist, tauschen wir ihn gezielt aus. Kein Komplettumbau, keine Fußbodenheizung, sondern eine einfache Lösung.

  • Nur bei Bedarf: Austausch einzelner Heizkörper (Typ 22 Typ 33) erhöht Leistung um 40–50%.

Welche Heizkörper passen zur Wärmepumpe?

Für niedrige Vorlauftemperaturen (35–55 °C) eignen sich vor allem:

  • Plattenheizkörper (Typ 22, 33)

    Standard in vielen Bestandsgebäuden, hohe Wärmeabgabe.

  • Niedertemperaturheizkörper 

    Extragroße Fläche, bis 75% Strahlungsanteil.

  • Gebläsekonvektoren/Hybridheizkörper

    Integrierter Ventilator steigert Leistung um bis zu 50%.

Ungeeignet: Alte Rippen- oder Gliederheizkörper (Gusseisen/Stahlrohr) – hier lohnt Austausch oder Ventilator-Nachrüstung.

Praxis-Tipp:
Heizleistung bei 50 °C Vorlauftemperatur prüfen (Reserve ≥ 40 %). Machen Sie denn „50-Grad-Test“ [interne Verlinkung]und prüfen Sie selbst ohne großen Aufwand, ob sich ihr Haus für eine Wärmepumpe eignet und die Heizkörperreserven ausreichen.

Förderung und Wirtschaftlichkeit von Wärmepumpen

  • Staatliche Förderung für Wärmepumpen ist verfügbar – inkl. Schnellbonus.
  • Langfristige Kostenstabilität: Gaspreise steigen durch CO₂-Bepreisung, Strom wird klimafreundlicher.
  • PV-Kombination: Autarkiegrade bis 62%, Eigenverbrauch bis 83% möglich.
  • Förderung für Heizkörpertausch: bis 15% (EE-Experten einbinden).

Unser Fazit: Wärmepumpe lohnt sich – auch im Altbau

Die Fakten sind eindeutig: 90 % der Bestandsgebäude sind für die Verwendung von Wärmepumoen geeignet, Mythen sind widerlegt. Mit moderaten Anpassungen und professioneller Planung wird die Wärmepumpe zur Schlüsseltechnologie für klimafreundliches Heizen – im Einfamilienhaus ebenso wie im Mehrfamilienhaus.

Team Hörmann ist Ihr SHK-Experte in Friedrichshafen am Bodensee. Wir prüfen Ihre Immobilie, berechnen die Heizlast und zeigen Fördermöglichkeiten.
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Wärmepumpen-Außeneinheit neben einem Fenster mit Holzrahmen an weißer Hauswand, umgeben von Deko-Elementen und Pflanzen.